Neue Filialmodelle mit virtueller Beratung?

Volksbank Bruchsal-Bretten baut Marktanteile trotz Niedrigzinsphase und schwierigem Umfeld aus

Ein positives Fazit trotz schwierigen Marktumfelds und anhaltendem Niedrigzinsniveau zieht die Volksbank Bruchsal-Bretten bei ihrer Jahresbilanz. Einen wichtigen Grund dafür sieht Vorstandsvorsitzender Roland Schäfer im genossenschaftlichen Geschäftsmodell, einer Idee, die jetzt sogar zum Unesco-Weltkulturerbe zähle. „Das hat uns besonders bewegt, dass diese Idee auf diese Weise gewürdigt wird“, bekundet Schäfer und beschreibt das Genossenschaftsmodell als eine sehr demokratische Unternehmensform, bei der jedes Mitglied eine Stimme habe. Die Mitglieder seien das Fundament der Volksbank, und diese Basis sei im vergangenen Jahr noch breiter geworden: Mehr als 1 650 Personen und Unternehmen wurden 2016 als neue Teilhaber der Genossenschaftsbank gewonnen, die sich als Mitmachbank versteht: Neben diversen Mitgliederworkshops zur Gestaltung von Produkten, Dienstleistungen oder  Filialen können die Mitglieder seit einigen Wochen auch digital über Themen diskutieren, die die Bank betreffen. „Wir sind die Ersten, die ein digitales Mitgliedernetzwerk gestartet haben, das im April freigeschaltet wird“, bekundet Schäfer weiter.  Die Mitglieder können sich auf dieser Plattform aktiv an Diskussionen zu Bankthemen beteiligen, an Umfragen teilnehmen oder bei Votings abstimmen.

Der fortschreitenden Digitalisierung trägt das Geldinstitut mit seinem „Omnikanalmodell“ Rechnung: Der Kunde entscheidet selbst, auf welchem Weg er seine Bankgeschäfte tätigen möchte: persönlich in der Filiale oder kombiniert mit digitalen Angeboten oder komplett online. Die Digitalisierung hat auch Auswirkungen auf das Filialsystem. Laut Erhebungen der Bank kommt ein Kunde im Schnitt nur noch zweimal im Jahr in eine Filiale, nutzt aber gleichzeitig die App der Bank 150-mal. Das wirft die Frage nach der Zukunft der Filialen auf. Der Vorstandsvorsitzende beschreibt den Spagat: „Wie viele Filialenmüssen wir bei derzeit immerhin 39 000 Beratungen im Jahr vorhalten, um unseren Förderauftrag gegenüber unseren Kunden und Mitgliedern aufrechtzuerhalten“, lautet die Kernfrage, mit der sich die Volksbank-Führung seit geraumer Zeit beschäftigt.

„Ich glaube nicht, dass wir auf Dauer 35 Filialen weiterbetreiben können“, räumt Schäfer ein. Schließungspläne gebe es allerdings derzeit keine, doch werde über neue Filialtypen nachgedacht, die zeitweise auch nur virtuell besetzt sein können. Sprich, der Kunde kommuniziert in der Filiale mit einem Bankmitarbeiter gleichsam per Videokonferenz.

1,24 Milliarden Euro betrugen die Kundeneinlagen 2016, dreiviertel davon waren täglich fällige Einlagen nahezu ohne Zins. Einen wichtigen Auftrag sieht die Volksbank deshalb in der Beratung ihrer Kunden. „Sparen ist nach wie vor sinnvoll, aber nicht mehr als Tagesgeld oder auf dem Sparbuch“, erklärt Volker Gaa, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende. Dafür gebe es bessere Möglichkeiten wie Fondssparpläne. Auch für Großkunden gäbe es Angebote, um Negativzinsen zu vermeiden. Die Volksbank hat derzeit 383 Mitarbeiter (umgerechnet 291 Vollzeitstellen), im Vorjahr waren es 399 Mitarbeiter (293 Vollzeitstellen).

ZUFRIEDEN MIT DER JAHRESBILANZ: Vorstandsvorsitzender Roland Schäfer (Mitte) und seine Vorstandskollegen Gerhard Rübenacker (links) und Volker Gaa. Foto: bert

Erschienen in der BNN.